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Triumphmärsche und Opernpomp

OVB vom 11.05.2018:

Rosenheim – Die „Innphilharmonie“, vormals Rosenheimer Musikverein, schwärmt in den Sommerkonzerten gern aus in die umliegenden Kirchen.

Heuer war es – neben der Kirche Heilig Kreuz in Kiefersfelden – die Altkatholische Kirche in Rosenheim. Die war akustisch ideal wegen ihrer Rundform, alles klang direkt bis knallig und transparent bis in die hintersten Reihen.

Dies kam der eruptiven Kraft der 2. Symphonie von Ludwig van Beethoven zugute. Deren stürmische Bizarrheiten, hervorbrechende Wildheiten und immer wieder überraschende Schönheiten, diese laut Joachim Kaiser „funkelnde Demonstration stolzen Daseinsgefühls“ ließen sich im befeuernden Dirigat von Thomas J. Mandl und im Zusammenspiel der Streicher und Bläser des Orchesters durchaus hören.

Gut kam das Drängen der Musik heraus, die Bläser waren immer scharf markiert, im Larghetto konnten sich die Streicher aussingen, aus den Celli kitzelte Mandl schöne Kantilenen hervor. Bei den sehr schnellen Läufen hatten die Geigen zwar ihre liebe Mühe, zu folgen, die Triller aber, die sich bei Beethoven zu strukturgebenden Motiven aufschwingen, purzelten schön übermütig und alles war von der punktgenauen Pauke rhythmisch gestrafft.

Der Tenor Iurie Ciobanuprunkte mit füllig strömendem Opern-Tenor. janka© OVB

Giacomo Puccini hat seine „Messa di Gloria“ in jungen Jahren, als er noch Kirchenmusiker werden sollte, komponiert, dann aber einfach vergessen. Diese Messe war die große Überraschung des Abends: Ungemein effektvoll, pomphaft und bombastisch, mit groß angelegten Steigerungen, mit wehmütiger Chromatik und doch auch schulmäßigen Fugen präsentiert sich diese Messe als eine echt italienische ungehemmt extrovertierte Schmetter-Oper. Die Geigen schienen bisweilen alldem nicht zu trauen und trauten sich nicht, diesen Schmelz bis Schmalz ganz auszusingen. Dies tat aber genüsslich auftrumpfend der Chor der Innphilharmonie: Die Bässe prunkten geradezu mit Grundgewalt, die Frauenstimmen mit kernigem Klang und alle zusammen schwelgten im Wohlklang und sangen den „Gloria“-Beginn freudig-festlich unter Trompeten- und Posaunenstößen wie einen Triumphmarsch von aufmarschierenden Engelsheeren. Thomas J. Mandl schien in seinem Element zu sein und herrschte wie ein Dirigenten-Triumphator in der Arena von Verona.

Für sensible Bach gewohnte Ohren waren die beiden Solisten wahrscheinlich ein akustischer Überfall, doch für diese Opern-Messe waren sie gerade richtig: Unter Geigengeflimmer entfaltete Iurie Ciobanu seinen füllig strömenden und enorm leuchtkräftigen Tenor in der „Gratias“-Arie und legte in der „Et-incarnatus“-Arie noch eine Schippe Emphase drauf, Alik Abdukayumov zeigte sich als echter Basso cantante mit ebenfalls großer Stimmgewalt ausgerechnet im „Benedictus“, das in der deutsch-österreichischen Kirchenmusik oft von ätherischen Sopranen oder Tenören gesungen wird.

Für deutschen Musikgenuss ungewohnt war auch das „Agnus Dei“, das eher wie ein Tanz mit dem Lamm daherkam. Sei’s drum: Es war ein musikalischer Hochgenuss anderer Art, ein Kirchenkonzert voll sonnigen Maienklangs.

 

Veröffentlicht auf OVB Online am 11.05.2018